So kann das neue Logo für Niedersachsen die Wirtschaft ankurbeln
Was der neue Landes-Claim und das Tankrabatt-Aus für dich bedeuten. Einordnung statt Alarmismus in deinem Wochenrückblick – Wissen, das dir guttut.
Guten Morgen,
Zeit für einen Kaffee und ein paar Minuten deiner Zeit, um die Woche zu rekapitulieren. Es waren ein paar Nachrichten dabei, die gesellschaftspolitisch hochinteressant sind.
Neues Logo für Niedersachsen
Sie kleben an Bänken in den Vogesen, an Straßenlaternen in Barcelona und vermutlich an jedem Flughafen der Welt. Die Rede ist von den gelben Stickern der baden-württembergischen Kampagne „The Länd“. Darauf geschrieben steht: „Nett hier. Aber waren Sie schon einmal in Baden-Württemberg?”
Eine hoch erfolgreiche Werbekampagne. Anders sieht es in Niedersachsen aus. Oder hast du ein klares Bild vor Augen, wenn du an das Bundesland denkst? Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass es vielen Menschen schwerfällt: Nur neun Prozent der Deutschen haben eine genaue Vorstellung von dem Bundesland. Mehr als jeder Vierte hat sogar überhaupt kein konkretes Bild vor Augen.
Das soll sich jetzt ändern. Die niedersächsische Staatskanzlei hat eine neue Imagekampagne gestartet. Zehn Millionen Euro werden investiert, um mit dem Slogan
„Niedersachsen. Das ist groß.“
Fachkräfte und Investoren anzulocken. Der bisherige, eher nüchterne Claim „Niedersachsen. Klar.“ wird damit abgelöst. Unterstützt wird die Kampagne von NBA-Star Dennis Schröder als Botschafter.
Ein solches Budget für Landesmarketing sorgt verständlicherweise für Diskussionen. Dahinter steckt ein handfester wirtschaftlicher Kern: Das Institut der deutschen Wirtschaft zeigt, dass in den kommenden Jahren ein enormes Potenzial in 25 Wachstumsmärkten in Niedersachsen steckt – bis zu 60 Milliarden Euro Wertschöpfung und rund 538.000 zusätzliche Arbeitsplätze sind möglich.
Die Kampagne versucht, den Boden für diese Zukunft zu bereiten. Eigentlich ein gutes Zeichen, oder?
Für den Vergleich: Die Marketingkampagne für Baden-Württemberg schluckte ein Budget von rund 21 Millionen Euro. Im Doppelhaushalt hat er ein Volumen von gut 135 Milliarden Euro.
Schleswig-Holsteins Marketingkampagne („Der echte Norden“) kostete im Jahr 2013 in der Anschubfinanzierung jedoch nur 200.000 Euro. Für die fortlaufende Pflege und Verwaltung der Marke werden seitdem jährlich rund 70.000 Euro fällig.
Tankrabatt wird nicht verlängert
Pünktlich zur Urlaubszeit im Sommer könnte das Tanken wieder teurer werden: Die Bundesregierung hat beschlossen, den im Mai eingeführten Tankrabatt nicht über den 30. Juni hinaus zu verlängern.
Die Fraktionen von Union und SPD begründen das Aus vor allem finanzpolitisch: Neue Schulden seien in der aktuellen Lage nicht tragbar. Zwar hat die Steuersenkung die Preise für Super E10 und Diesel im Mai spürbar gedrückt, laut Ifo-Institut profitierten jedoch vor allem Vielfahrer statt gezielt Menschen mit niedrigem Einkommen.
Auf der Homepage des ifo-Instituts siehst du bei dem Tankrabatt-Tracker wie sich die Preise ausgewirkt haben – in Cent je Liter. Als Messgröße dient hierbei die Veränderung des Preisabstands zwischen Deutschland und Frankreich.
Die gestrichelte Linie kennzeichnet den Beschluss im Bundestag und Bundesrat am 24. April, während die durchgezogene Linie den eigentlichen Start des Tankrabatts am 1. Mai markiert. Die lila horizontale Linie zeigt den Zielwert von 17 Cent pro Liter – diesen Betrag müssten die Preise im Vergleich zu Frankreich sinken, wenn der Rabatt komplett an die Verbraucher weitergegeben wird.
Für deine Budgetplanung zum Ferienstart lohnt sich also ab Juli ein genauerer Blick auf die Kraftstoffpreise. Der Tipp aus der Redaktion: In der App oder auf der Website “Clever Tanken” kannst du die Kraftstoffpreise im Blick behalten.
Politisch motivierte Straftaten erreichen Rekordhoch
Zur Wahrheit dieses Sonntags gehört auch ein Blick auf eine Entwicklung, die uns alle nachdenklich machen sollte.
Die Behörden haben die neuen Zahlen zu politisch motivierten Straftaten für das vergangene Jahr veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein bitterer Rekord:
Noch nie wurden in Deutschland so viele politisch motivierte Taten erfasst, insbesondere im Umfeld von Wahlen.
Allein rund 14.000 Delikte standen im Zusammenhang mit Wahlen, die meisten davon richteten sich gegen Plakate, aber eben auch fast 1900 Mal direkt gegen Personen und Parteivertreter. Betroffen waren alle großen Parteien von der AfD über die Grünen bis zur CDU und SPD. Auch bei uns in Niedersachsen, wie ein Vorfall in Bookholzberg zeigt, bei dem ein Wahlhelfer ins Gesicht geschlagen wurde, kam es zu solchen Übergriffen.
Was bedeutet das für unser Zusammenleben?
Wahlkampfhelfer und politisch Aktive sind oft Menschen aus deiner Nachbarschaft, die sich in ihrer Freizeit engagieren. Wenn der politische Streit in Gewalt umschlägt, betrifft das das Fundament unserer Demokratie. Es lädt uns an diesem Sonntag dazu ein, kurz innezuhalten: Wie gehen wir selbst im Alltag mit Meinungsverschiedenheiten um?
Große Ideen und wirtschaftliches Wachstum, wie sie die neue Imagekampagne feiert, können nur dort entstehen, wo Menschen friedlich und respektvoll miteinander streiten.



